Zürcher Kantonsrat trauert um seinen 2. Vizepräsidenten
Am Wochenende hat SP-Kantonsrat Ruedi Lais seinen langwierigen Kampf gegen den Krebs verloren. Wir verlieren heute nicht nur unseren 2. Vizepräsidenten, sondern einen leidenschaftlichen Politiker, einen messerscharfen Denker, einen passionierten Redner und einen guten Freund. Wir sprechen den Angehörigen unser tiefst empfundenes Beileid aus. Zu Beginn der Nachmittagssitzung vom 4. Oktober 2021 hat Kantonsratspräsident Benno Scherrer das Schaffen des 67-Jährigen gewürdigt.

Wir trauern um Ruedi Lais, unseren 2. Vizepräsidenten und lieben Ratskollegen, der am Wochenende gestorben ist. Ruedi, du hast deine Krankheit mit Würde angenommen. Lange hast du gekämpft. Stets hast du gesagt, die Kantonsratssitzungen seien die beste Therapie für dich. Bis fast zum Schluss bist trotz deinem Gesundheitszustand mit dem E-Bike von Wallisellen hier zum Ratssaal gefahren. Doch nun bleibt dein Sitzplatz leer. Wir haben mit dir gekämpft, gehofft und gelitten. Umso schwerer ist es nun zu akzeptieren, dass du diesen Kampf verloren hast. Wir vermissen dich und möchten deinen jahrzehntelangen Einsatz zugunsten des Kantons Zürich nun gemeinsam würdigen.
Mit Ruedi Lais verliert der Zürcher Kantonsrat einen messerscharfen Analytiker, kompromisslosen Debattierer und dossiersicheren Verkehrs- und Umweltpolitiker, der den Rat über zwei Jahrzehnte lang geprägt hat. Politik, das war für Ruedi Lais mehr als nur ein Hobby. Es war seine Berufung, sein Lebenselixier. Politisiert wurde er bereits in jungen Jahren. Sein Vater, Eugen Lais, war der letzte Gemeinderat der Demokratischen Partei Wallisellen und sorgte dafür, dass Politik am Familientisch ein Thema war. Als junger Umweltschützer trat Ruedi Lais der SP bei. In Wallisellen machte er sich einen Namen, indem er eine Überbauung verhinderte - und damit den Schutz eines Naherholungsgebietes sicherte. Mit der Wahl in den Gemeinderat von Wallisellen wurde Ruedi Lais zum Sozialvorstand. Dabei fiel er vor allem dadurch auf, dass er für grössere Herausforderungen immer wieder die regionale Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden im Glatttal suchte und fand.
Beruflich stieg Ruedi Lais nach seinem Geografie-Studium als Quereinsteiger beim Computerriesen IBM ein, wo er über 25 Jahre verschiedene Funktionen ausübte. Im Jahr 2000 wurde Ruedi Lais in den Kantonsrat gewählt. Vier Jahre später wurde er dann quasi zum Berufspolitiker, wo er seine berufliche Passion, Naturwissenschaften und Mathematik, weiterhin einbringen konnte. Er war wohl einer der Wenigen in diesem Rat, der den doppelten Puckelsheim erklären und nachrechnen konnte. Einen Fehler, den er im Wahlverfahren fand (die falsche Rundung bei der Oberzuteilung im Proporzwahlverfahren), haben wir letzten Frühling revidiert. Zudem, was die meisten nicht wissen, war Ruedi Lais ein Verfechter der Hoffnungsrunde beim Cup-System. Dies, damit der Kommissionskompromiss nicht im Rat sang- und klanglos untergeht, sondern schliesslich obsiegt.. Wie wir heute Morgen wieder einmal feststellen durften.
Von 2004 bis 2007 führte er die SP als Fraktionspräsident. Als Sachpolitiker war er zuletzt die federführende Kraft bei den Referenden gegen das Wassergesetz und gegen die Kürzung des Verkehrsfonds. Neben seiner Arbeit im Kantonsrat engagierte sich Ruedi Lais unter anderem als Bezirksrat, als Verwaltungsrat der Verkehrsbetriebe Glatttal und als Vorstandsmitglied von Pro Natura Zürich. Als Ausgleich nahm der passionierte Orientierungsläufer erfolgreich an zahlreichen Wettkämpfen teil oder kartographierte gleich selber. Zu Hause in Wallisellen pflegte er einen Garten mit über 200 zum Teil seltenen Wildpflanzen. Daneben war ihm das Tessin zu einer zweiten Heimat geworden.
Ruedi Lais war ein profunder Kenner der deutschen Sprache und mehrerer Fremdsprachen. Neben seinem Bett, sagte er einmal, liege immer das etymologische Lexikon. Seine Wortgewandtheit liess er gerne in seinen Reden aufblitzen. Ruedi Lais war kein Vielredner. Aber wenn er das Wort im Rat ergriff, hörte man ihm zu. Seine Voten waren meist schonungslos. Zudem konnte er, der System-Ingenieur, praktisch zu jedem Ratsgeschäft eine passende Statistik hervorzaubern.
Bis zuletzt war Ruedi Lais Mitglied der Geschäftsleitung und der Interfraktionellen Konferenz. Zuvor war er über die Jahre Mitglied der KPB, der KSSG, der STGK sowie der KEVU gewesen. Diese präsidierte er in den Jahren 2011 bis 2015 souverän. Gerecht, unkompliziert, geradlinig, und immer wieder einmal auch recht witzig. Zu den bedeutendsten Vorlagen unter seinem KEVU-Präsidium zählen die Gesamtrevision des kantonalen Richtplans und das Projekt «Limmattalbahn». Im vergangenen Frühling wurde Ruedi Lais zum 2. Vizepräsidenten des Zürcher Kantonsrates gewählt. Der Rat erfüllte ihm damit einen langersehnten Wunsch, obschon Ruedi Lais erkrankt war. Ruedi Lais ging sehr offen mit seiner schweren Krankheit um und blieb bis zuletzt optimistisch.
Gestern Nacht hat Ruedi Lais den Kampf gegen den Krebs leider verloren. Er wäre Ende Monat 68 Jahre alt geworden. Wir halten seinen Einsatz für unser Parlament in Ehren und sprechen den Angehörigen unser herzliches Beileid aus. Ruedi, du hinterlässt eine grosse Lücke.
Ich bitte Sie, aufzustehen (Schweigeminute).
Die Abdankung wird am 29. Oktober stattfinden.
Benno Scherrer, Kantonsratspräsident