«Sister Republics»: Zürich im transatlantischen Dialog
Zürich ist erneut zum Treffpunkt für den parlamentarischen Austausch geworden. An der Spezialausgabe des «Tags der Parlamente» standen die Beziehungen zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten im Zentrum. Diskutiert wurde unter dem Titel «Sister Republics: Switzerland and the United States – Past, Present, and a Common Future?» über gemeinsame Wurzeln, aktuelle Herausforderungen und mögliche Wege in die Zukunft.

Marcus C. Evans Jr. will als Präsident der NCSL Brücken bauen. (Foto: Niklas Thalmann)
In seiner Begrüssung betonte Kantonsratspräsident Beat Habegger die Bedeutung des Dialogs zwischen Parlamenten – gerade in einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen. Anschliessend zeigte Thomas Maissen, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Heidelberg, die historischen und philosophischen Verflechtungen der beiden «Schwesterrepubliken» auf.
Dass die Schweiz und die USA trotz unterschiedlicher politischer Systeme eng verbunden sind, wurde im ersten Podiumsgespräch deutlich: Elisabeth Bronfen, emeritierte Professorin der Universität Zürich, Thomas Maissen und Kantonsratsvizepräsidentin Monika Wicki diskutierten unter der Moderation der USA-Expertin Claudia Franziska Brühwiler über Werte, Narrative und politische Traditionen, die bis heute nachwirken.
Perspektiven aus den US-Bundesstaaten
Einen besonderen Akzent setzte der Austausch mit der Delegation der National Conference of State Legislatures (NCSL). Senator Wayne Harper aus Utah und NCSL-Geschäftsführer Tim Storey gaben Einblicke in die Arbeit der Parlamente auf Ebene der US-Bundesstaaten und beleuchteten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum schweizerischen Föderalismus. Im Gespräch mit Kantonsratspräsident Beat Habegger wurde deutlich, wie wichtig institutionelle Lernprozesse über Landesgrenzen hinweg sind.
Im anschliessenden Podium erweiterten Marcus C. Evans Jr., Abgeordneter im Repräsentantenhaus des Bundesstaates Illinois und Präsident der NCSL, Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB), Seco-Botschafterin Andrea Rauber Saxer und Rahul Sahgal, Geschäftsführer der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, den Blick auf die Gegenwart: Diskutiert wurden wirtschaftliche Verflechtungen, geopolitische Spannungen und die Rolle der Parlamente in einer zunehmend fragmentierten Welt. Moderiert wurde die Diskussion von der Journalistin Fabienne Kinzelmann.
Blick in die Zukunft
Den Abschluss bildete die Keynote von Andreas Wimmer, Professor an der Columbia University. Er zeigte auf, welche Faktoren stabile Demokratien auszeichnen und wie internationale Kooperation dazu beitragen kann, demokratische Systeme weiterzuentwickeln. Weiter machte er deutlich, dass die Berufung auf eine gemeinsame Herkunft als «Schwesterrepubliken» kein Garant für eine besondere Beziehung zwischen den USA und der Schweiz ist.
Wie bereits beim ersten «Tag der Parlamente» im vergangenen Herbst stand auch die Spezialausgabe im Zeichen des Austauschs und der Vernetzung. Ziel der Tagung ist es, parlamentarische Akteure zusammenzubringen und den Dialog über institutionelle Grenzen hinweg zu stärken.